Ansprache bei der Eröffnung des Generalkapitels der Salvatorianerinnen
5. November 2006 


Liebe Schwestern,
Liebe Mitbrüder,

Der Heilige Geist hat Sie dazu geführt, als Thema Ihres XIX. Generalkapitels zu wählen: "Salvatorianische Frauen - solidarisch - für Hoffnung und Leben." Wir, Ihre Salvatorianischen Brüder und die Salvatorianischen Laien, haben Sie bei der Vorbereitung auf Ihr Kapitel durch unser Gebet unterstützt, und wir verstärken heute unser Gebet, da Sie dieses pfingstliche Geschehen des Generalkapitels beginnen. Wir freuen uns sehr darüber, dass unser lieber Mitbruder, Pater Dennis, Ihnen nicht nur wie wir durch das Gebet beistehen wird, sondern auf professionelle Weise, was er mit ganzem Herzen und mit all seinen Talenten tut.

Sie werden Ihr Suchen nach Gottes Willen auf das Thema des Kapitels und auf zwei Ikonen des Evangeliums konzentrieren, und zwar, auf Maria von Magdala, die die Auferstehung Jesu verkündet und auf Jesus, der Lazarus von den Toten erweckt. In dieser kurzen Ansprache, möchte ich Ihnen noch eine dritte Ikone für Ihre Betrachtung bringen, und zwar die Ikone der beiden Jünger, die - nach dem tragischen Geschehen in Jerusalem während des Osterfestes - nach Emmaus gehen. Diese beiden Jünger sind verzweifelt, traurig und entmutigt auf dem Weg, weg von Jerusalem; ihre Hoffnungen auf die Befreiung Israels sind scheinbar mit Jesus in Seinem Grab. Das tragische Geschehen des Ostern unserer Zeit sind die Übel einer geteilten Welt und die Situation der Frauen und Kinder, die so oft missbraucht, so oft ungerecht und unmenschlich behandelt werden. Ich bin sicher, dass in gewisser Weise, jede von Ihnen aus ihrem Heimatland mit "traurigen Gesichtern" zu diesem Kapitel gekommen ist, und mit ähnlichen Gefühlen wie die Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus, wegen der enormen Übel in unserer Welt, die trotz all unserer Bemühungen noch immer existieren. Und doch, die Jünger begegneten Jesus auf dem Weg, und Er hörte ihre Sorgen an, erklärte ihnen die Schriften, öffnete ihnen die Augen, gab ihrem Leben einen neuen Sinn, und machte die Dunkelheit zu Licht. Darum hatten sie den Mut, voller Hoffnung, neuer Kraft und mit frohem, mutigen Sinn, den Weg zurück nach Jerusalem zu gehen; sie konnten die frohe Botschaft nicht für sich behalten; sie ‚mussten' sie anderen weitergeben.

Mein Wunsch für Sie in diesem Kapitel ist, dass Sie in Ihrem Suchen nach Gottes Willen die Wege finden, um das Antlitz des wahrhaft liebevollen Jesus in den Ausgeschlossenen zu erkennen, in den Ausgegrenzten, Missbrauchten und unmenschlich Behandelten, denen sie täglich dienen. Dann werden Sie nach diesem pfingstlichen Geschehen des Kapitels in "Ihr Jerusalem" zurückkehren, mit neuem Mut, neuer Kraft und neuer Hoffnung, um Ihre besondere Mission in Solidarität für Hoffnung und Leben zu erfüllen. Ich bete darum, dass in Ihrem Kapitel ein Geist des Vertrauens vorherrscht, Einheit in der Verschiedenheit, ein tiefes Sorgen für das Wohl der Kongregation und unserer Salvatorianischen Familie. Ich bete darum, dass auch Sie, wie die Jünger von Emmaus, die in einem bestimmten Augenblick stehen blieben, um Jesus das Geschehen in Jerusalem zu erklären und um Ihm zuzuhören, auch Ihr Kapitel ein Geschehen des Glaubens wird. Jesus öffnete die Augen der Jünger. So ist es mein Wunsch für Sie, dass Jesus, während Sie auf Ihn horchen, Ihre Augen öffnet, um die richtigen Prioritäten und Leiterinnen zu wählen und die richtigen Entscheidungen zu treffen, im Licht Ihrer persönlichen, gemeinschaftlichen, religiösen, apostolischen und salvatorianischen Bedürfnisse.

Die Jünger haben ihren Wunsch ausgedrückt, dass Jesus bei ihnen bleibt. So möge Jesus auch immer in Ihren Herzen und in Ihrer Mitte bleiben, damit Ihr Kapitel eine besondere Gelegenheit wird, in einer persönlicheren und radikaleren Weise zu Jesus, dem Heiland, zurückzugehen. Wenn Sie Seine tiefe und persönliche Gegenwart erfahren haben, werden Ihre "traurigen Gesichter" wieder froh werden, und, wie die Jünger von Emmaus, werden Sie diese Freude und diesen Optimismus mit anderen teilen wollen.

Ich spreche zu Ihnen als Ihr Salvatorianischer Bruder, aber auch als der zehnte Nachfolger von Pater Jordan. Und so möchte ich meine kurze Ansprache zur Eröffnung Ihres Kapitels mit seinen Worten beenden, die er im November 1903 an Ihre Vorgängerinnen richtete, und heute wieder richten würde, wenn er hier leiblich unter uns gegenwärtig wäre. Dies sind seine Worte: "Sie sind bevorzugt. Sie haben ein besonderes Recht, zum Göttlichen Heiland hinzutreten, um bei Ihm in all Ihren Anliegen Erhörung zu finden. Denken Sie immer daran, dass wir noch nicht im Himmel sind, dass wir noch kämpfen und noch viel leiden müssen. Aber verzagen Sie nie. Vertrauen Sie fest auf Gott, wie groß Ihre inneren und äußeren Schwierigkeiten auch sein mögen!"

Möge der Heilige Geist den Reichtum seiner Gaben, Licht und Hoffnung auf Sie ausgießen!

P. Andrew Urbanski, SDS

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