Eucharistiefeier – Generalkapitel der Salvatorianerinnen
ROM – 14. NOVEMBER 2006

LIEBE SCHWESTERN, MITGLIEDER DIESES GENERALKAPITELS!
GELOBT SEI JESUS CHRISTUS!

Ich sehe es als große Gnade und Ehre an, heute abend bei Ihnen zu sein, und mit Ihnen Eucharistie zu feiern, Kapitularinnen und Teilnehmer/innen dieses XIX. Generalkpitels der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Heiland. Ich begrüße Sie alle, die Sie von so vielen Teilen der Welt kommen. Mit mir bringe ich die Grüße der Diözese Lages, Santa Catarina, Brasilien. Dieser Gruß hat eine ganz besondere Bedeutung: denn in die Diözese von Lages, in die Gemeinde von Perdizes – heute Videira – kamen die ersten Salvatorianerinnen, die in Brasilien begannen. Sie folgten der Einladung des Diözesanbischofs Daniel Hostin. 70 Jahre sind seither vergangen. Darunter waren Jahre vieler Arbeit, vieler Mühe, vieler Freude, aber auch des Leides. Ihre Arbeit hat viel Frucht getragen. Heute ist die Kongregation in Dutzenden von Orten vertreten, in Brasilien und außerhalb Brasiliens – so die jetzige Generaloberin, Schwester Therezinha Rasera, die zu dieser Provinz gehört, Schwester Dulcelene und Schwester Isabel Tooda, Mitglieder des Generalates; Schwester Alzira Poli, die ebenfalls hier und in der Generalleitung der Kongregation tätig war. Auch noch andere Schwestern waren hier und haben auf verschiedenen Gebieten gearbeitet. In Lages haben wir gefeiert und haben Gott für die Anwesenheit der Schwestern unter uns gedankt. Wir sind dankbar für ihre Missionsarbeit, mit der sie eine Gesellschaft aufgebaut haben, die durch die Werte erleuchtet ist, die unser Göttlicher Heiland gelehrt hat. Wir bewundern den Mut der ersten Schwestern, die 1936 dort ankamen, die in ihrem Herzen den Schmerz trugen, ihr eigenes Land zu verlassen, und gleichzeitig den Mut, eine fremde Kultur anzunehmen, eine andere Sprache und eine Realität, die ihnen unbekannt war. „Geht in die ganze Welt“ war der Aufruf des Göttlichen Heilandes, der ihr Leben durchdrang und sie zu einer Antwort aufrief: sie pflanzten den Salvatorianischen Samen in den Brasilianischen Boden ein. Dasselbe Charisma wurde in verschiedenen Ländern der Welt grundgelegt. Sie waren Frauen der Hoffnung; einer Hoffnung, die dem Leben der Menschen Licht geben konnte, und in besonderer Weise, einer Hoffnung, die ihnen die Kraft gibt, sich weiterhin um die Anerkennung ihrer Würde und um ein sinnvolles und glückliches Leben zu mühen. „Das ist eine Hoffnung, die aus der Auferstehung Jesu geboren ist, und neuen Lebensraum schafft, wenn dieser von Tod und Unterdrückung bedroht ist.“ (Brief zur Einberufung des XIX. Generalkapitels).
Das Thema, das für dieses Kapitel gewählt wurde, lautet: „Salvatorianische Frauen – solidarisch – für Hoffnung und Leben.“ Ich bin davon überzeugt, dass die ganze Kongregation diesem Thema ihre vollständige Aufmerksamkeit schenkt, und, wie wir in Brasilien sagen, einen großen AUSTAUSCH (MUTIRÃO) der Überprüfung und Erneuerung der Kongregation unternimmt. Indem alle Einheiten über Solidarität, Hoffnung und Leben reflektierten, konnten sie das Charisma in die Gegenwart hineinholen, um ein besseres Verständnis davon zu haben, was es bedeutet, Jesus Christus, dem Göttlichen Heiland zu folgen, in Gemeinschaft zu leben, sich immer mehr der Zeichen der Zeit und der Situationen, die eine Evangelisierung brauchen, bewusst zu sein. Dadurch, dass sie der Intuition von Pater Franziskus Maria vom Kreuz Jordan und der Seligen Maria von den Aposteln folgen, verkünden die Salvatorianerinnen allen Menschen die Rettung, die in Jesus Christus erschienen ist; alle sollen durch ihr Sein und ihr apostolisches Handeln „den einen wahren Gott erkennen, und Jesus Christus, den Er gesandt hat“ (Joh 17,3), und alle sollen das „Leben in Fülle“ haben (Joh 10,10). Als Salvatorianische Frauen – solidarisch – für Hoffnung und Leben, fühlen sich die Schwestern dazu gedrängt, den Menschen der verschiedensten sozialen Verhältnisse den rettenden Willen Jesu Chrsti zu verkünden. Die Schwestern sind sich dessen bewusst und sind bereit, den Menschen überall, mit allen Mitten und auf jede Weise, die die Liebe Christi eingibt, zu dienen.
Blicken wir in unsere heutige Welt, sehen wir die leidvolle Situation der unmenschlichen Armut, in der Millionen von Menschen leben. Diese Situation hat im wirklichen Leben sehr konkrete Züge, in denen wir die Zeichen des Leidens Christi, unseres Herrn, erkennen sollten. Zum Beispiel:
Frauen und Kinder, die ausgeschlossen und misshandelt werden; Menschenhandel; Missbrauch von Kindern; AIDS-Kranke; verwirrte junge Menschen, die ihren rechten Platz in der Gesellschaft nicht finden; Arbeitslose; verlassene und ausgeschlossene ältere Menschen, die keine rechte Betreuung finden; Zunahme der religiösen Sekten; Ausbeutung der Erde; Verletzung der Menschenrechte; Zwangsmigration, usw.
Die Liste ist ziemlich lang. Es sind unzählige Herausforderungen, und wir alle fühlen uns herausgefordert. Als gottgeweihte Männer und Frauen sind wir aufgerufen, auf die Herausforderungen aufmerksam zu sein, die uns umgeben. Wir müssen auf die Aufforderung Jesu, unseres Herrn achten: „Seid meine Zeugen“: Zeugen in Solidarität; Zeugen der Hoffnung Zeugen des Lebens, das Christus für alle wünscht. Wir sind Erbauer einer neuen Gesellschaft, Verteidiger einer Gesellschaft, die „in Solidarität globalisiert“ ist. Jesus hat uns diese Aufgabe übertragen: „Geht in die ganze Welt und verkündet das Evangelium aller Kreatur“. Wir sollen eine Umwandlung zustande bringen, die die Welt von heute erfordert.
Änderungen können nicht willkürlich gemacht werden, mit einer mehr intuitiven Änderung am Anfang, gefolgt von einer besseren Überlegung, die aus der Ruah entspringt, die „weht, wo er/sie will“ (Joh 3,8), um den Notwendigkeiten in neuen Situationen zu entsprechen, wenn die alten Antworten nicht mehr reichen. Die heutige kulturelle Atmosphäre hat einen Einfluss auf die Ordensgemeinschaften, und auch auf die Bedeutung der Entscheidung für die Armen. Ein Generalkapitel ist ein „Kairos“, die Vergangenheit als die einzige Basis anzunehmen, um eine Zukunft aufzubauen, indem wir einen offenen Austausch über die wichtigsten Ideen und noch stichhaltigen Gewohnheiten halten; sowie darüber, in welcher Beziehung und in wieweit sie noch gültig sind, und was, aus der Sicht zukünftiger Projekte, von der Vergangenheit ausgewertet werden kann. Es ist nur möglich, voranzugehen, wenn wir unsere eigene Identität lebendig erhalten und zu unserer eigenen Geschichte stehen. Jedoch, wenn wir uns damit begnügen, uns an Menschen und Taten einer bestimmten Periode unserer Vergangenheit zu erinnern, und sie bereitwillig als Beispiel hinstellen, um sie der Gegenwart zu erhalten, ist es eine Flucht in die Vergangenheit. Sicher, die Vergangenheit nur zu „besuchen“, ist nur für jene fruchtbar, die unfähig sind, mit der Gegenwart fertig zu werden. Ein „Besuch“ der Vergangenheit gibt uns nur dann neue Einsichten, wenn er im Licht einer klaren, mutigen und kreativen Zukunftsvision geschieht. Und, ganz sicher, erfordert all das von uns ein offenes Herz und eine offene Seele, die dem Hl. Geist erlaubt in uns zu wirken.

Liebe Schwestern!
Ich bitte Gott durch Seinen Geist, Ihre Arbeit in diesem Generalkapitel zu erleuchten. Ganz sicher sind Sie sich alle der Verantwortung bewusst, die ein Kapitel im Hinblick auf die Aufgabe, die Ihnen von allen Schwestern übertragen wurde, mit sich bringt. Was Sr. Therezinha in ihrem Einberufungsbrief schrieb, fand ich sehr schön: „Die Menschen, besonders die armen, hoffen, dass wir Salvatorianerinnen ‚Frauen der Hoffnung’ sind. Sie erwarten eine Hoffnung, die ihrem Leben Licht und Kraft spendet und sie befähigt, für die Anerkennung ihrer Würde und ein sinnvolles und glückliches Leben weiterzukämpfen. Das ist eine Hoffnung, die aus der Auferstehung Jesu geboren ist und neuen Lebensraum schafft, wenn dieser von Unterdrückung und Tod bedroht ist.“ Denken Sie jedoch daran: es ist nur möglich, wenn Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist, die Quelle von allem ist. Es ist möglich, Zeugen und Zeugnis der Hoffnung zu sein, wenn Christus unser Leben ist, wenn unsere Selbsthingabe vollständig und großmütig ist. Es ist möglich, ein Zeichen neuen Lebens zu sein, wenn unser Leben Christus entspricht, weil Er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist! Amen. 

Bischof Oneris Marchiori
Diözese Lages

 Webmaster

Copyright © by Salvatorians 2006